Lothar Böhm - Kaslovski - Crossartist |
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"Lothar Böhm hat eine eigenständige Art von Kunst und Bildsprache entwickelt, die weit hinaus seine Anerkennung gefunden hat. Seine ausgefeilten Kunstkonzepte sind kein reiner Selbstzweck, vielmehr dienen sie dem Ziel, eine lebendige Beziehung zwischen Kunst und Betrachter herzustellen. Lothar Böhm ist nicht nur ein Meister der Inszenierung. Sein umfangreiches Werk umfasst eine große Anzahl an Ausstellungskonzepten und Projekten. Seine Malerei, Skulpturen, Illustrationen, Zeichnungen und ein Buch mit dem Titel "Die Mullogs" geben einen Einblick in sein facettenreiches Können." |
![]() "Minotaurus" |
Astrid Kehsler in "Junge Kunst", April 2006 Schon lange hat Lothar Böhm sein Haus der Kunst im Kopf. Doch er ist kein Träumer. So beginnt er seine Ideen in anderen Räumen zu leben, gründet das Forum für Kunst und Begegnung, die Galerie Brockovski, einen Kunstverein und die artoz Galerie - alles in weniger als zehn Jahren, alles in Fürth. Nun ist auch seine Vision dort Wirklichkeit geworden: das artoz Kunsthaus mit Galerie, Seminarraum, Atelier und dem privaten Zuhause im Loft. "Ich weiß nicht, was Kunst ist." Ein provokantes Statement von einem Mann, der als Künstler Kaslovski international ausstellt und als Galerist Lothar Böhm Kunstprojekte umsetzt. Der Malerei studiert hat und selbst Künstler auswählt für sein Galerieprogramm. Und der nun das artoz Kunsthaus mitten in Fürth betreibt. Lange hat er nach den passenden Räumen gesucht. Als er - trotz allem unerwartet - die alte Druckerei Zeilein in der Lange Straße 20 entdeckt, stürzt sich Lothar Böhm ins Renovieren, Ausbauen und Einrichten. Bis zu dem Moment, als das meiste geschafft ist. "Da bin ich in ein Loch gefallen." Die Vision ist Wirklichkeit - was jetzt? Seit Weihnachten gibt Böhm dem Künstler in sich wieder mehr Zeit und Raum. |
![]() "Malmaschine " |
Die nächste Ausstellung in den neuen Galerieräumen wird er, alias Kaslovski, mit dem Fotografen Michael Zirn bestreiten. Die ersten Arbeiten stehen im großen Ausstellungsraum parterre. 130 Quadratmeter, lang gestreckt, weiße Wände, Tageslicht. Im selben Schnitt das Atelier darüber, in der dritten Etage das Loft. Die Annäherung an den Künstler offenbart viel von dem Galeristen, von dem Vermittler und Manager in Sachen Kunst. Zurück also ins Atelier. Die Zeitkämpfer Hier entstehen die Studien. Fünf, maximal 20 Minuten gibt er einem Motiv. "Es muss schnell gehen. Nur so entwickelt sich die Dynamik in den Bildern." Die vielen Blätter werden nie im Werk auftauchen. Es ist ein Heranarbeiten an das Thema, das Entwickeln der Formensprache für eine neue Serie: "Die Zeitkämpfer". Noch sind die Körper und Köpfe der Kämpfer zu erkennen. Später werden sie verschwinden, eintauchen in die Strukturen, sich verstecken. Und dennoch spürbar bleiben, vielleicht sogar aufspürbar. |
![]() "Landscape" |
Wenn er dann ins große Format wechselt, bleibt der Drang zur Dynamik: Das Motiv, die Perspektive, die Figuren, alles ist im Kopf und stürzt in nur wenigen Stunden aufs Papier. Die Dinge entstehen im Hintergrund, konzentriert, akribisch. Nur die Ergebnisse werden offen gelegt. Schnelligkeit, so wird spürbar, entspringt einer klaren Vorstellung und Entschlossenheit. Er ist aufgeräumt - im Kopf und in den Räumen. Lothar Böhms Leben fließt schnell und dennoch ruhig. Er steht im Jetzt, ist als Mensch und Künstler authentisch. Und erwartet dies auch von den Menschen, deren Werke er ausstellt oder mit denen er zusammenarbeitet. Er sagt offen seine Meinung, lehnt Angebote ab und verabschiedet sich aus Kooperationen, wenn sie nicht seinen Vorstellungen entsprechen. Und doch denkt er wirtschaftlich, bezeichnet sich nicht als Idealist. "Visionen, die Wirklichkeit werden sollen, kosten Geld", proklamiert er. "Doch sie werden nur Wirklichkeit, wenn wir sie nicht vorher für Geld verkaufen." |
![]() "Hörstuhl" |
Diese Geradlinigkeit heißt vor allem eines: Selektieren - sich Zeit nehmen zum Auswählen, die eigenen Vorstellungen und Ideen hinterfragen, das eigene Handeln reflektieren. So bricht Lothar Böhm schließlich mit den Regeln des Kunstmarkts. Lehnt eine große Ausstellung als Kaslovski ab, weil er seine Arbeit nicht in einem Geldinstitut der Missachtung des Publikums preisgeben will. Stattdessen inszeniert er als Galerist Installationen in einem Autohaus, weil ihm die Architektur gefällt. Er will die Menschen auf Kunst aufmerksam machen, sie mit einbeziehen. Als er für die Firma Schwan Stabilo endlich eine passende Arbeit für den Außenbereich entdeckt, entsteht die Idee, die Belegschaft über den Ankauf abstimmen zu lassen. Die Entscheidung ist knapp - gegen das Kunstwerk. |
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"Nun überlegen die Befürworter, ob es einen Weg gibt, die Arbeit dennoch für das Haus zu erwerben." Dass so etwas möglich ist, begeistert Böhm. Damit so etwas möglich wird, braucht Kunst Offenheit und die Begegnung. Dafür soll das artoz Kunsthaus stehen. Mit Ausstellungen, Seminaren, Vorträgen, Treffen. Als Kernzelle eines Netzwerks, das funktioniert, weil es jemanden gibt, der die Geduld hat zuzuhören, den Mut auszuwählen und eine Grundrichtung vorzugeben. |